Akupunktur


Ich wende in meiner Praxis folgende Akupunkturmethoden an Tieren auf Grundlagen der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) an:



Nadelakupunktur

Akupunktur - Was ist das?

Die Akupunktur ist ein Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), die sich auf fünf „Säulen“ stützt:

Akupunktur     Arzneitherapie     Tuina     Qigong     Diätetik

  • Arzneitherapie: Anwendung von Rezepturen aus Pflanzen, Mineralien und vielem mehr, die häufig als Tee aufbereitet werden
  • Tuina: klassische chinesische Massagetechnik.
  • Qigong: Körper- und Atemübungen um die Energie Qi im Fluss zu halten.
  • In der chinesischen Ernährungswissenschaft/Diätetik haben die Nahrungsmittel bestimmte Eigenschaften wie kalt, warm, neutral usw. die je nach Erkrankung gemieden oder bevorzugt werden sollen.
Die Entstehung der Akupunktur lässt sich über 10 000 Jahre v.Chr. zurückverfolgen. Die ersten Erfahrungen sammelten unsere chinesischen Vorfahren mit Steinnadeln und der Applikation von heißen/brennenden Kräutern über Verletzungen oder sonstigen schmerzhaften Körperstellen.
Das Einstechen einer Nadel rief dabei Empfindungen (Kribbeln, Ziehen = DeQi-Gefühl) entlang einer Linie auf dem Körper hervor und führte zu der Erkenntnis der Meridianverläufe. Ein Meridian beschreibt also den Verlauf von Akupunkturpunkten über den Körper mit einem Bezug zu einem speziellen Organsystem (Wirkung auf dieses). Wir kennen 12 Hauptmeridiane.

Bei der Behandlung von Erkrankungen mittels Akupunktur wird nun versucht, dieses Energieflusssystem des Körpers entlang der festgelegten Bahnen (Meridiane) an speziellen Punkten (Akupunkturpunkten) durch das Einstechen von Nadeln zu beeinflussen. Man kann sowohl stärkende/tonisierende als auch beruhigende/sedierende Nadelungen durchführen. Das Ergebnis hängt von der Verweildauer der Nadeln (5 min oder 20 min), der Nadeldicke, der Stichrichtung (im oder gegen der Meridianverlauf) und anderen Nadeltechniken ab. Die eingesetzten Nadeln sind extrem dünn und aus Metall (sterile Einwegprodukte). Besonders schmerzarm lassen sich Kunststoffbeschichtete Nadeln in Akupunkturpunkte einstechen. Die Stichtiefe kann einige mm bis Zentimeter betragen.

Akupunkturpunkte liegen über Hautarealen, in denen die Haut- und Muskelfaszien einen Durchtritt für Nerven und Blutgefäße aufweisen, also tatsächlich über Punkten/Löchern, an denen viele Nerven- und Gefäßbündel durch die Unterhaut treten.

Neben der klassischen Akupunktur nach den „Fünf Wandlungsphasen“ basierend auf der Lehre von Yin und Yang, kommen auch westliche Akupunktur Methoden zum Einsatz.

Wie wirkt Akupunktur?

Der Reiz, der durch die Nadel gesetzt wird wirkt:

a) systemisch (im gesamten Organismus, in einem Organsystem)
b) segmental/spinal
c) cerebral (Aktivierung vom limbischen System, Hypothalamus)
d) lokal.

a, b) Die Spinalnerven treten aus dem Rückenmarkskanal aus und stellen eine Verbindung von bestimmten Bereichen auf der Haut mit dazugehörigen Organen her (Dermatome/Segmentalreflektorische Komplexe/Head´sche Zonen). Somit lassen sich auch innere Organerkrankungen durch die Stimulation von Hautarealen/Akupunkturpunkten beeinflussen (diagnostizieren).

c) Teilweise wird durch das erleben der Akupunktur als Schmerzreiz im Limbischen System oder auch dem Hypothalamus eine Reaktion hervorgerufen.

d) Während der Akupunktur ist kurzfristig, lokal (direkt in der Umgebung der Nadel) eine verminderte Durchblutung festzustellen, der aber eine längerfristige, verstärkte Durchblutung folgt, und das nicht nur an der behandelten Extremität, sondern auch an anderen Bereichen des Körpers (periphere Durchblutung).

Die Wirkung resultiert aus folgenden Reaktionen, die durch die Nadel hervorgerufen werden:

Antiphlogistisch = Entzündungshemmend

Über einen Axonreflex werden vasoaktive (gefäßaktive) Neuropeptide (CGRP, Substanz P) durch die Stimulation von bestimmten Fasern ausgeschüttet, welche die Durchblutung im umliegenden Gewebe der Nadel steigern. Somit werden reparative Vorgänge beschleunigt.

Auch Endorphine werden in sog. Nocizeptiven Nervenzellen produziert und schließlich zum Ort der Entzündung transportiert, wo sie nach Kumulation/Anhäufung zu einem entzündungshemmenden und schmerzlindernden Effekt führen. Dieser Effekt kann Wochen bis Monate anhalten.

Analgetisch = Schmerzlindernd

Die analgetische Wirkung wird über ein körpereigenes Molekül namens Adenosin erzielt. Die Nadeln verursachen im Gewebe Mikroläsionen (winzigste Verletzungen), wodurch der Körper zur Ausschüttung von Adenosin veranlasst wird (die Adenosinproduktion steigt um das 24 fache). Rezeptoren auf schmerzleitenden Nervenfasern werden so erreicht und der Schmerz gedämpft (NATURE NEUROSCIENCES). Das Drehen der Nadeln (alle 5 Minuten) verstärkt diesen Effekt. Die Schmerzempfindung wird herabgesetzt.

Das Einstechen der Nadeln wird von den Tieren überwiegend ohne Abwehrreaktionen toleriert.

Laserakupunktur

Laser = Light Amplification by stimulated Emission of Radiation.
Anstelle des Einstechens von Nadeln wird bei dieser Therapiemethode ein Laserstrahl verwendet, um einen Akupunkturpunkt zu reizen. Dies kann bei sehr sensiblen oder ängstlichen Tieren vorteilhaft sein.
Verwendet wird ein Therapielaser mit einer Wellenlänge von 904 nm und in einer Stärke von 40 W. Durchschnittlich werden die einzelnen Punkte ca. 40 Sekunden mit dem Laser, der direkt auf der Haut aufgesetzt wird, bestrahlt.

Zusätzlich zur Stimulation von Akupunkturpunkten nach TCM Gesichtspunkten, bewirken die Laserstrahlen eine Photobiostimulation. Hierunter versteht man die energetische Anregung von Gewebezellen durch elektromagnetische Strahlung (Photonenstrahlung). Der Zellstoffwechsel wird stimuliert.
Man geht davon aus, dass auch ein interzellulärer Energietransfer stattfindet, bei welchem in Zellen mit überschüssiger Energie diese an Zellen mit weniger Energie weitergeleitet wird. Somit werden auch tiefe Gewebeschichten erreicht. Die Zellen haben damit ausreichend Energie zur Verfügung, um ihre spezifischen Funktionen zu erfüllen: Bildung von Antikörpern, Teilung, Reparaturmechanismen, Produktion von Hormonen, Glucose usw. Laserenergie führt außerdem zu einer verstärkten Durchblutung, einer lokalen Anreicherung von weißen Blutkörperchen/Leukozyten (Teil des Immunsystems), einer Aktivität von körpereigenen Fresszellen (Phagozytose = „Fressen“ von körperfremden Material) und einer Wachstumshemmung von Mikroorganismen. Dadurch werden Gewebsnekrosen und Entzündungsmediatoren aus dem erkrankten Gewebe schneller entfernt.

Besondere Möglichkeiten bietet der Laser im Bereich der Wundbehandlung. Hier lässt er sich bei schlecht heilenden oder großflächigen Wunden einsetzen, wobei lediglich der Wundrand bestrahlt wird, was zur schnelleren Regeneration der Hautränder und somit zum Schließen der Wunde führen kann.

Moxibustion

Unter Moxibustion versteht man die lokale Erwärmung (Energiezuführung) an einem Akupunkturpunkt. Dies kann durch das Verbrennen von Beifußkraut (in Form einer Zigarre gerolltes, getrocknetes Kraut) über dem Akupunkturpunkt erzielt werden. Wichtig sind hierbei die individuelle Kontrolle der Hitzeentstehung und der gezielt, vorsichtige Einsatz der Wärme. Der Therapeut hält hierfür die „Moxazigarre“ in der Hand.
Eine weitere Möglichkeit besteht im Einstechen einer Nadel, auf die eine spezielle Vorrichtung aufgesetzt werden kann, worauf ein wenig Beifußkraut befestigt und angezündet wird. Hierbei muss strengstens auf die Hitzeentwicklung geachtet werden (Achtung Fell). Die Hitze wird hier über die Nadel auch in tiefere Hautregionen übertragen.

Akupressur

Ein Reiz kann an einem Akupunkturpunkt auch durch manuelle Techniken gesetzt werden. Hierbei wird mit einem Finger auf einen Akupunkturpunkt ein Druck ausgeübt. Diese Technik verzichtet zwar auf das Einstechen einer Nadel, erreicht aber nur einen Teil der Intensität wie es die Nadel kann. Dennoch kann diese Technik auch vom Tierbesitzer selbst angewandt werden und unterstützend zur Therapie beitragen.

Triggerpunktdiagnostik

Einige Akupunkturpunkte eignen sich auch als Diagnostische Punkte, so genannte Triggerpunkte. Es handelt sich um bestimmte Punkte am Körper, die mit einer Schmerzempfindlichkeit reagieren, wenn dazugehörige Strukturen erkrankt sind. So reagiert beispielsweise der Akupunkturpunkt Ma 31 (Ma = Magen, der Punkt liegt auf dem Magenmeridian), als oberer Oberschenkeltriggerpunkt bei schmerzhaften Prozessen in der Hüfte, den Hüftgelenken, oder entsprechend seinen inneren Organen (Dermatom = Hautareal, dass über die Spinalnerven mit inneren Organen in Verbindung steht), wie Prostata oder Gebärmutter. Eine Reaktion des Tieres auf Druck des Punktes, kann interpretiert werden und auf eine mögliche Erkrankung im Hüftgelenkbereich hinweisen: Hüftgelenküberbelastung, Hüftgelenkdysplasie, Coxarthrose oder Erkrankungen der Genitalorgane. Reaktionen können sich durch Hautzuckungen, dem Druck ausweichen wollen oder laute Schmerzäußerungen bemerkbar machen.