Phytotherapie


Bei der Phytotherapie werden Pflanzeninhaltsstoffe zur Therapie genutzt, wobei aber keine einzelnen Wirkstoffe eingesetzt werden, sondern immer ganze Pflanzenteile. Verwendet werden Blätter, Blüten, Wurzeln, Kraut, Samen, Früchte oder Rinde.
Achtung: in der Phytotherapie werden die Pflanzen als Drogen bezeichnet! Wundern Sie sich also nicht wenn sie in der Literatur auf diese Bezeichnung stoßen.

Diese natürliche Zusammensetzung von vielen Wirkstoffen, denn in Pflanzen sind immer mehrere Wirkstoffe, bringt ein größeres Potential an Wirksamkeit mit sich. So erstaunt es auch nicht, dass die Wirkung ganzer Pflanzenteile meist stärker und verträglicher ist, als ein Medikament mit einem einzigen Wirkstoff.

Die Weidenrinde bietet sich beispielsweise zur Behandlung von Entzündlichen Prozessen im Körper an: Gelenksentzündung/Arthritis, Schmerzen, Fieber. Die entweder klein geschnittene oder zu Pulver zermahlene Rinde der Weide (Salix purpurea) enthält eine Vielzahl an Wirkstoffen:

  • Phenolglykoside: Salicin, Salicortin, Tremulacin
  • Polyphenole: Flavonoide, Chalkone, Catechingerbstoffe

Auf künstlichem Wege ist die natürliche Zusammensetzung nicht nachzuahmen. So spiegelt sich die Vielzahl an Wirkstoffen an der komplexen Wirkung der Weidenrinde wider. Die Weidenrinde wirkt:

  • Antiphlogistisch = entzündungshemmend
  • antipyretisch = fiebersenkend
  • analgetisch = schmerzlindernd
  • COX-II-Hemmung (COX-II = Cyclooxigenase II, Beginn der Prostaglandinsynthese, verantworlich für entzündliche Prozesse) und LOX-5 (LOX-5 = Lipoxygenase-5)
  • TNF-alpha hemmend (TNF- alpha = Tumor Nekrose Faktor, ist an entzündlichen Prozessen beteiligt, löst Fieber aus)
  • Protease hemmend (Hyaluronidase): Hemmung von Reaktionsketten, die für Entzündung verantwortlich sind
  • Antioxidativ = „abfangen“ von freien Radikalen (von Molekülteilen, die zellschädigend sind)
  • Prostaglandinsynthese hemmend (Prostaglandine sind verantwortlich für Schmerz, Entzündung)

Der Wirkstoff Salicylsäure ist uns allen aus dem Schmerzmittel Aspirin bekannt. Leider kann die Salicylsäure die Magenschleimhaut angreifen und für leichte Blutungen verantwortlich sein. Darum sollten Schmerzmittel, welche die Magenschleimhaut angreifen nicht über längere Zeit ohne ein zusätzliches Medikament verabreicht werden, dass die Schleimhaut schützt.
Die natürliche Weidenrinde bietet nun den entscheidenden Vorteil, dass die Salicylsäure zunächst nicht vorliegt. Erst durch die Verstoffwechslung aus Salicin im Dickdarm zu Saligenin und schließlich erst in der Leber aus Saligenin zur Salicylsäure, kommt die empfindliche Magenschleimhaut nicht mit der Salicylsäure in Kontakt.

Wichtig ist bei der Phytotherapie die Verwendung von medizinischen Produkten aus der Apotheke.

Nur dann kann durch kontrollierten Anbau und ständige Qualitätskontrolle gewährleistet werden, dass ausreichend Wirkstoffe in den Pflanzenteilen enthalten sind. Was vom Wegrand oder aus dem Garten stammt kann unter Umständen nicht ausreichend Wirksubstanzen enthalten.

Für die Abgabe von Phytotherapeutika an die Tierbesitzer, ist der Sachkundenachweis bei der Industrie- und Handelskammer gesetzlich vorgeschrieben. Ein Mischen von verschiedenen Produkten ist untersagt. Es dürfen nur einzeln verpackte Produkte abgegeben werden!